Freitag, 3. Juli 2015

Dich zu hassen, ist am meisten anstrengend...

In letzter Zeit spukt mir immer wieder ein Satz durch den Kopf. 

Dich zu hassen, ist am meisten anstrengend...

Diesen Satz sagt Meredith Grey zu Derek Sheperd in der 2. Staffel von Grey's Anatomy. Und irgendwie lässt mich dieser Satz nicht mehr los. Man ist so schnell dabei zu sagen, dass man jemanden oder etwas hasst und in den seltensten Fällen meint man es wirklich so. Hass ist so ein strenges, intensives Gefühl, voller Abgründe und scharfer Kanten, voll Verbitterung und Sehnsucht.

Dich zu hassen, ist am meisten anstrengend...

Ich habe diesen Satz sehr lange zwar verstanden, aber nicht in all seiner tiefen Wahrheit und Verzweiflung wirklich begriffen. So ein Gefühl in seiner vollen dunklen Pracht hat man nicht für x-beliebige Dinge oder Personen, die einem auf die Nerven gehen. Wirklicher, purer Hasse zerfrisst einem die Seele und tut mehr weh als alles andere, was man je erlebt hat.

Hass ist kein Gefühl, das der Person weh tut, die wir hassen. Hass tut uns selbst am meisten weh. Hass ist ein Stacheldraht, der sich langsam und drückend durch unsere Seele windet. Hass ist wie ein winziges Stückchen Glas, das vom Flaschenhals abgerieben wurde und sich langsam durch die Luftröhre kämpft und dabei Schnitte und Wunden hinterlässt und uns jede Sekunde nur allzu bewusst ist. 
So ein Gefühl kann man nun einmal nicht für eine Belanglosigkeit oder flüchtige Bekannte empfinden. 

Noch nie habe ich eine so schreckliches Gefühl empfunden, das mich so zerfressen und so weh getan hat. Noch nie habe ich mir so gewünscht, ein Gefühl würde einfach aufhören, weggehen, mich alleine zurück und heilen lassen.




Vor Kurzem hat mir jemand gesagt, es habe sie erleichtert, einem anderen eine schlimme Verletzung zu vergeben. Ich habe das nicht sofort verstanden. Das hat natürlich damit zu tun, dass man immer davon ausgeht, dass es der andere vielleicht nicht verdient hat, dass ihm etwas vergeben wird. Inzwischen sehe ich das ganz anders. Vergebung ist etwas, das wir für uns selbst tun, damit die ganzen negativen Gefühle verschwinden, die wir durchmachen, wenn wir dieser Person begegnen oder ihr sogar aus dem Weg gehen.

Und Hass ist darunter das Anstrengendste. Es zermürbt und erschöpft zutiefst. 

Das hat ganz einfach damit zu tun, dass man in der Regel Menschen hasst, die man von ganzem Herzen und ganzer Seele geliebt hat und die einen zutiefst verletzt haben. Und man wünscht sich tatsächlich nichts sehnlicher als damit aufhören und diese Bitterkeit beiseite schieben zu können. Man wünscht sich unaufhörlich, sich davon befreien zu können.

Dich zu hassen, ist am meisten anstrengend...

Ich freue mich mehr als ich es je mit Worten ausdrücken könnte auf den Tag, an dem mir dieser Satz nicht mehr durch den Kopf geht. 



 

1 Kommentar:

  1. Wissen Sie was Resilienz ist ? Vielleicht hilft es Ihnen aus negativen Erfahrungen und Verletzungen etwas Positives zu lernen. Wir wachsen auch an Enttäuschungen. Sie sind eine so hübsche , junge Frau. Was ist Ihnen
    passiert , daß Ihnen so ein starkes Gefühl das Leben erschwert ?
    FG Zoé

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