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Mittwoch, 27. Mai 2015

Hedi Schneider steckt fest

Hallo Ihr Lieben, 
habt Ihr das lange Wochenende genoßen?
Ich war in einem kleinen Kino in der Nähe. Das hat mir irgendwie total gefehlt, einfach mal wieder so ein alternatives Mini-Kino mit einem Mann, der hinter einer Glasscheibe Abreißkarten von der Rolle ausgibt, Limonade in Glasflaschen und Gummibärchn verkauft und einem einzigen Saal mit alten Klappsesseln ohne Getränkehalter. 

Die Beschreibung des Films durch das Kino fand ich nicht so wahnsinnig gelungen, sie lautete: "Hedi Schneider steckt fest. Erst im Aufzug und dann im Leben." Aber trotzdem wollte ich den Film gerne sehen. Er läuft bereits seit 07. Mai, aber wohl eher nicht in den großen Kinos.

Worum geht es nun in "Hedi Schneider steckt fest"?
Hedi Schneider steckt nicht hipstermäßig im eigenen Leben fest, wie man am Anfang des Filmes vermuten könnte. Sie ist zwar etwas verschroben und alternativ, aber auf eine sehr liebenswerte Art. Sie führt eine glückliche, erfüllte Ehe und hat einen Sohn, mit dem beide Eltern sehr liebevoll umgehen. 
Eigentlich passiert nichts weiter, das für ihr Leben einen dramatischen Einschnitt böte. "Kleinigkeiten" summieren sich. Und plötzlich hat sie eine Panikattacke. Die kündigt sich nicht groß an. Von einem Moment auf den anderen wird alles anders. Hedi entwickelt eine Depression, was eindrücklich, aber auch sehr achtsam und an den richtigen Stellen humorvoll, erzählt wird. Die Hauptdarsteller Laura Tonke und Hans Löw spielen authentisch und ergreifend lebensnah.

Auf der Homepage des Filmes heißt es: 
Hedi, Uli und ihr Sohn Finn haben sich ihr Leben gut eingerichtet – sie nehmen den Alltag, wie er kommt und träumen von dem, was sein könnte. Doch plötzlich steckt Hedi fest. Erst mal nur im Aufzug, aber dann auch im Kopf. Und mit einem Mal ist nichts mehr, wie es war. Obwohl sie versuchen, aneinander festzuhalten, gerät Hedis und Ulis Welt aus den Fugen. Um ihrer Liebe eine letzte Chance zu geben, beschließen sie, nach Norwegen zu reisen und noch einmal glücklich zu sein - zumindest für 24 Stunden.
Mit schwebender Leichtigkeit und zärtlichem Humor beschreibt HEDI SCHNEIDER STECKT FEST, dass auch im Beziehungsleben der 30-Something-Generation die Liebe bleibt, was sie ist: etwas ganz Fragiles.
Nach Hotel Very Welcome beweist Regisseurin Sonja Heiss erneut ihr besonderes Gespür für den schmalen Grat zwischen Tragik und Komik. Mit großer Liebe zu ihren Figuren erzählt sie davon, was passiert, wenn das gewohnte Leben plötzlich verschwindet.



Was mich an diesem Film so bewegt hat: 
Mich hat sehr vieles sehr bewegt. Zum Einen gab es beruflich und privat in meinem Leben immer wieder Menschen, die Depressionen hatten. Zum Beispiel die Problematik, dass man wochen- und monatelang hofft, dass eine Antidepressivum anschlägt, ist mir sehr vertraut. Besonders erschütternd war es, immer wieder zu erleben, dass die Medikamente nicht anschlagen und den Patienten zur "Geduld" geraten wird. 
Auch im Film wird das thematisiert. 

Hedi bekommt besonders starke Tabletten für den Notfall mit. Ihr seelischer Druck ist aber so groß, dass sie fast jeden Tag dazu greift und dann genau das Gegenteil erlebt, himmelhoch jauchzend. 

Mich hat auch sehr beeindruckt, dass Klischees aufgegriffen wurden. Die guten Ratschläge etwa. Die Mutter erzählt, was sie tut, wenn es ihr nicht gut geht. Viele Menschen verstehen nicht, warum man sich aus einer Depression nicht herausgraben kann. Sie verstehen nicht, warum man ohne erkennbaren Grund mehr als nur niedergeschlagen ist, warum allein schon aus dem Bett aufzustehen zu einer unüberwindlichen Herausforderung wird, warum sich die Situation überhaupt nicht mehr ändern will. 

Besonders gut fand ich, dass auch die Sicht des Partners gezeigt wird. Der Film ist mehr beobachtend, aber mit Tiefe. Und so sehen wir, wie Uli mit sich kämpft, wie er alles für Hedi tun will, seinen Lebenstraum zurückstellt, wie er verzweifelt, irgendwann nicht mehr kann, wie sein eigenes Leben zu verschwinden droht unter dieser riesigen schwarzen Wolke, wie er Hedi aber trotz allem noch liebt, Fehler macht und doch bedingungslos bei ihr bleibt. 

Ganz wie wir es vom Fernsehspiel kennen, ist es ein kurzer Einblick in ein ganz gewöhnliches Leben, mit offenem Ende. Der Film endet damit, dass die Familie einen Tag Glück in Norwegen findet. Es scheint aber immer wieder durch, dass der ganze Urlaub Hedi nicht so leicht fällt, wie es tagsüber aussieht. Ganz eindrücklich bleibt eine der Urlaubsszenen für mich. Hedi und Uli hatten vereinbart einen Tag glücklich zu sein, was ihnen auch gelingt. Abends sitzen sie auf der Veranda und Hedi sagt fast erleichtert "Jetzt ist es vorbei". 

Es wird gezeigt, wie es im wahren Leben mit Depression oder Angststörung nun mal einfach ist. Es gibt bessere Tage und schlechtere und der Übergang ist ganz und gar fließend. 

Hedi kämpft und ringt mich sich und ihrer Krankheit, sie versucht Tipps, Tricks, Techniken, Medikamente. Hedi hat Menschen, die sie lieben und alles für sie tun. Und doch bleibt eines ihr ständiger Begleiter: die Angst. 

Wer Lust auf einen grandiosen deutschen Film mit hervorragenden Schauspielern hat, sollte "Hedi Schneider steckt fest" nicht verpassen.

Montag, 5. Januar 2015

Suits - Serienjunkie

DE: Ab und an schreibe ich auf meinem Blog auch ein bisschen über Filme und Serien, die mich beeindruckt haben. Ich bin schon ein Serienjunkie und die tollen, unterschätzten sollen hier nun Raum finden.

Heute schreibe ich etwas zu meiner neuen Lieblingsserie "Suits".  Ich habe ein Abo bei netflix. Das habe ich schon ziemlich zügig gemacht, nachdem es dieses Portal in Deutschland gab. Dort wurden die ersten beiden Staffeln von "Suits" hochgeladen.

Die Handlung dreht sich um zwei Hauptfiguren: Mike Ross, ein hochbegabter Hochschulabbrecher mit fotografischem Gedächtnis, und Harvey Specter, einem Seniorpartner und Top-Anwalt in einer Kanzlei in New York.

Natürlich gab es schon tausende Anwaltsserien. Ich persönlich mag an dieser sehr, dass es klug durchdacht ist und neben dem offensichtlichen Humor auch noch feine Nuancen zwischen den Zeilen hat. Es geht weniger um die einzelnen Fälle als um die Beziehungen zwischen den Figuren deren Zusammenspiel.

Unten im Teaser wird es ein bisschen überlustig dargestellt. Tatsächlich ist alles aber nicht schwarz weiß und platt. Manche Dinge sind natürlich vorhersehbar: Der reiche Anwalt freundet sich mit seinem Schützling an, die Sekreträrin ist in ihren Chef verliebt, der Hochstapler droht immer mal wieder aufzufliegen.

Aber die Frage, die hinter allem steht, ist: Was zählt mehr, Wissen und Cleverness oder ein Diplom? Denn Mike Ross hat vorher sein Geld verdient, indem er immer wieder für andere die Zulassungsprüfung für Anwälte geschrieben hat.

Vielleicht habt Ihr ja Lust, mal reinzuschauen. Ich habe mir eben die dritte Staffel auf Amazon bestellt und freue mich schon drauf :)


Dienstag, 11. November 2014

HIN UND WEG

Dieser Post ist für mich ganz besonders. Ich hatte nie vor, auf meinem Blog über einen Film oder etwas in der Art zu berichten. Aber dieser Film hat mich sehr bewegt und darum möchte ich meine Meinung dazu mit Euch teilen.




Ich hatte von "Hin und weg" schon in einer Radio-Kritik gehört. Dem Film wurde vorgeworfen, er beschönige eine Spaßgesellschaft, in der es legitim sei, sich zu töten, wenn man nicht mehr an dem ganzen Spaß teilhaben könne.
Das hat den Film für mich nur interessanter gemacht und war ich am Sonntag mit meinem Mann im Kino.

Kurze Vorabinfo aus Wikipedia:
Hin und weg ist ein deutsches Roadmovie und ein Ensemblefilm von Christian Zübert aus dem Jahr 2014 mit Florian David FitzJulia KoschitzJürgen Vogel und Miriam Stein in den Hauptrollen. Der Film wurde von Benjamin Herrmann und dem Oscar-prämierten Regisseur Florian Gallenberger produziert, der hier erstmals als Produzent in Erscheinung tritt.

Handlung in Kurzform:
Die Film erzählt die Geschichte einer Gruppe von Freunden aus Frankfurt am Main, die sich jedes Jahr treffen, um gemeinsam einen Fahrradurlaub zu machen. Dieses Mal soll es nach Belgien gehen. Hauptfigur ist Hannes, der an ALS erkrankt ist. Daneben stehen seine Frau Kiki, sein Bruder Finn, das befreundete Ehepaar Dominik und Mareike, sowie der Aufreißer Michael im Mittelpunkt.

Meine Meinung: 
Hannes plant diesen Urlaub nach Belgien, weil er bereits seit zwei Jahren mit der Krankheit lebt und sich seit sechs Monaten die ersten starken Symptome zeigen. Sehr einprägsam ein Satz von Kiki: Seit er von der Diagnose erfahren hat, fährt er jeden Tag 20 km auf dem Heimrad. Seit sechs Monaten schafft er es nicht mehr. Jeden Tag ein paar hundert Meter weniger. Er hat den Tod seines Vaters an ALS miterlebt und beschließt, in Belgien assistierten Suizid zu begehen. Die Freunde wissen aber zu Beginn noch nichts davon. 

Zunächst bleibt es ein wenig Hollywoodlike: Die Freunde erfahren von Hannes Krankheit als sie bei Hannes anderem Bruder übernachten und auf seine Mutter treffen. Beim gemeinsames Abendessen kommt es wie es muss und die Wahrheit kommt ans Licht. Und natürlich brechen sie trotzdem mit ihm auf, um ihn auf diesem letzten Weg zu begleiten. 

Am ersten Abend bekommt jeder eine kleine Aufgabe, die er während der Zeit erledigen muss, was aber im Verlauf des Filmes für jeden eine besondere Tiefe annimmt und nicht bei der Alberei bleibt. So bekommt Dominik, dessen Ehe etwas aus den Fugen geraten ist, die Aufgabe, einen Gang Bang zu haben, während der Single Michael einmal eine Frau sein soll. Was zuerst lustig scheint, wird aber doch sehr ernst als Dominik in den Swingerclub geht und seine Frau ihm folgt und beide Sex mit anderen haben. Oder als Michael sich als Dragqueen verkleidet und eine Frau kennenlernt, die er selbst dann nicht mehr gehen lassen möchte und damit selbst zum Klischee der Frauen wird, die er selbst hat sitzen lassen. 


Der wichtigste Handlungsstrang aber ist die immer wiederkehrende Frage: muss Hannes' Tod wirklich sein? Und auch hier bleibt der Film nicht an der Oberfläche. Hannes sagt: Wann ist denn der richtige Zeitpunkt zu sterben? Wenn ich kein Glas mehr halten kann? Wenn ich im Rohlstuhl sitze? Wenn ich an ein Atemgerät angeschlossen werden muss?

Der Film erzählt fast zärtlich, ganz ohne Drama, von der Krankheit. So kann Hannes etwa in einer Szene nicht mehr atmen, während er mit Kiki im Zelt liegt. Kiki bekommt davon nichts mit und schläft weiter. In der nächsten Szene ist es dann einfach morgen. Das hat mich sehr berührt, weil es sehr nah an der Realität ist, weil es geschrieben ist, wie es im Leben ist.

Natürlich hat der Film auch viele Stellen, die komisch sind. Ich finde aber, dass er über den Klischees bleibt, die man in solchen Filmen mit "Galgenhumor" oft hat. Der Film macht sich nicht lustig über das Thema. Typische Mainstream Ansätze bleiben erspart, denn Hannes stirbt wirklich. Auch wenn es immer wieder Gelegenheiten, ja fast Winke des Schicksals, gibt, alles neu zu überdenken. Beispielsweise hat sein Arzt einen Unfall und kann ihm das Medikament nicht verabreichen. Aber trotzdem bleibt Hannes stets bei seiner Entscheidung. 

Die Figuren bleiben leider trotz allem etwas flach und platt, wir erfahren wenig darüber, was sie wirklich denken und fühlen. Es bleibt etwas vage. Aber auch das finde ich gar nicht so verkehrt. Im Mittelpunkt steht einfach immer wieder: Wie gehe ich mit einer tödlichen Krankheit um? Wie gehe ich überhaupt mit dem Tod? Was wenn ein geliebter Mensch stirbt? Muss dieser Freitod wirklich sein? Ginge es nicht doch noch etwas länger?

Ich persönlich finde, das allein reicht für den Film. Tatsächlich finde ich, dass es diesen Film wirklich einfach dringend braucht. Wir entfernen uns immer weiter vom Tod. Er hat keinen Platz in unserer Gesellschaft. Wir sehen in Fleisch keine toten Tiere, haben nur noch wenig Kontakt zu Alten und Kranken. 

Und das ist es auch, was mir daran gefällt, dass es nicht um das große Drama geht, sondern um den Alltag, um stille Tränen und Angst. Natürlich ist es unendlich traurig und schrecklich, wenn jemand erfährt, dass er selbst oder Angehörige, Freunde eine tödliche Krankheit haben, das steht außer Frage. Fakt ist aber auch, dass es zu unserem Alltag gehört. Es gibt einfach Krankheiten, es gibt den Tod. Das macht beides nicht schön, aber es gehört zum Leben einfach dazu. Schwierig sind die Fragen: Wie gehe ich damit um? Wie kann ich damit leben? Kann ich darüber sprechen? Wo finde ich Trost?

Wie geht es Euch damit?