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Dienstag, 15. März 2016

Unfriend me - mal anders herum

DE: Hallo Ihr Lieben!
Wie waren die letzten Tage für Euch so?

Mich beschäftigt die letzten Monate und in den letzten Wochen immer wieder ein Thema. 

Fremdenhass. AfD. Unfriend me. Refugees welcome. 

Wer hier regelmäßig liest, der dürfte wissen, dass ich auf jeden Fall für die Aufnahme von Flüchtlingen bin. Ich bin auch gegen eine Obergrenze und ich bin gegen Fremdenhass und Gewalt. Und natürlich gegen die AfD. 

Was mich so beschäftigt ist, wie Deutschland plötzlich eine Spaltung erlebt. Am deutlichsten bemerkt man das ja immer wieder auf Facebook. Wie häufig ich in meiner Timeline lese, dass jemand alle Fremdenhasser und AfDler und und und auffordert, ihn oder sie aus der Freundesliste zu löschen oder liked, dass jemand anders das tut. 

Natürlich habe auch ich immer mal wieder gedacht: unfassbar, was für ein lieber Mensch und dann postet der sowas oder die liked dann sowas. Aber mir käme nie in den Sinn, diese Menschen aus meiner Freundeliste zu löschen. 





Heute allerdings hat mich jemand aus seiner Freundesliste gelöscht, weil ich ihm zu positiv gegenüber Flüchtlingen eingestellt bin. 

Man denkt das immer nur anders herum.

Zuerst bekam ich einen relativ ausführlichen Text mit Dank für eine Einladung am Wochenende und dem Hinweis, wir hätten ja doch sehr unterschiedliche Ansichten, ich wisse schon, wie er meine. Er danke mir für alle Angebote und die Freundlichkeit. Er hat sich nicht mal so richtig getraut, es beim Namen zu nennen. Aber mein Verdacht bestätigte als ich ihm darauf antwortete und er mir dann wieder usw. 

Anfangs war ich amüsiert. Als ich aber später am Tag festgestellt habe, dass er mich auch direkt entfreundet hat, wurde ich richtig wütend und musste mich zusammennehmen, um keine unhöfliche Nachricht zu verfassen. 

Das schlimme daran war ein bisschen, dass ich gedacht habe: 
Jetzt habe ich seine Scheiße so lange ertragen, wie kann er mich da entfreunden?

Und dann wurde mir erst klar, dass er vermutlich einfach keinen Bock mehr auf mein Gestichel meiner Posts und Likes gegen seine Ansichten hatte. 

Wir verlieren hier vollkommen aus den Augen, dass es immer um Menschen geht. 

Und damit meine ich nicht die Flüchtlinge, sondern die Menschen, die anderer Meinung sind. Sie lesen ständig Posts, die teilweise humorvoll und teilweise dreist auf ihrer Meinung herumhacken. 

Wir ärgern uns so über ihre Ansichten, darüber wie sie über Notbedürftige und Politiker denken und reden, dass wir ganz aus den Augen verlieren, wie wir selbst mit ihnen umgehen. 

Die Wahlergebnisse am Sonntag haben auch mich erschüttert. Aber am Abend war ich dann unterwegs und traf auf Leute, die unfassbar aggressiv mit ihren Worten waren. Ich bewundere ab und an die Leidenschaft dafür, wenn man sich so für eine Sache engagiert. Und dann dachte ich aber, dass es nur eine andere Art von Hass auf Menschen ist. Die Rechten hassen die Flüchtlinge oder haben Angst vor dem, was mit Deutschland passiert usw. Die Linken hassen die Rechten und haben Angst, was mit Deutschland passiert. 

So geht das doch nicht weiter. Man darf nicht wegsehen und man muss diskutieren. Aber man muss auch den Menschen in die Augen sehen und sie als Ganzes sehen. 

Jeder Mensch hat Respekt verdient. 

Das gilt nicht nur für die Flüchtlinge. Das gilt auch für uns. Für jede einzelne.



Mittwoch, 10. Februar 2016

Großes Herz! - Sieben Wochen ohne Enge // Big heart! - Seven weeks without tightness

DE: Hallo Ihr Lieben! Habt Ihr Fasching/Karneval ordentlich gefeiert und Euch schöne Kostüme organisiert? Heute ist schon wieder alles vorbei und ich bin nicht so richtig böse drum. Ich bin kein wilder Faschingsmensch, obwohl ich in meiner Jugend einige Jahre in der Prinzengarde getanzt habe :)
Genauso wie letztes Jahr, stelle ich auch heute wieder die Fastenaktion vor. Letztes Jahr war das Thema wirklich sehr auf die Anliegen der Plus Size Bewegung zugeschnitten. Es lautete "Du bist schön!  - sieben Wochen ohne Runtermachen". Aber auch dieses Jahr finde ich es wieder sehr passend und darum hier ein paar Worte dazu.


EN: Hello my dears! Have you been to Carnival parties with a beautiful costume? Today it's already all over and I'm not really angry about that . I'm not a wild carnival girl, though I danced in my youth some years in the Prinzengarde :) Just like last year, I'll again get you to know the Lenten Campaign. Last year the theme was really geared to the needs of the plus size movement. It was " You're beautiful - seven weeks without bashing ". But this year I find it again very good and so here a few words .


DE: Aus dem Pressetext:
"...wenn etwas von Herzen kommt, dann geht es meistens ums Ganze: aus vollem Herzen singen, von ganzem Herzen lieben, mit ­ganzem Herzen bei der Sache sein... Das Herz ist als Organ der Kleinlichkeit nicht geeignet, es lebt die Fülle und die Weite! Und es gibt der Barmherzigkeit ihren Namen.
Unser Herz bleibe der offene Ort des Mitmenschlichen. Wenn es sich nicht verhärtet und verschließt, hat es viel Platz für andere. So können wir einander ins Herz schließen, können teilen, gönnen und verzeihen.(...) Einfach mal jemanden einladen, den wir noch nicht kennen. Und einander mit Neugier und ohne Vorbehalte begegnen. Teilen, was da ist, und erleben, dass es für alle reicht. Dass da immer noch Platz ist, wenn jemand hinzukommt. „Sieh das mal nicht so eng“, sagen wir, und es lohnt den Versuch. Sich über das Glück der anderen freuen – und lachen können über den eigenen Neid. Nicht mehr aufrechnen, was war – und Vergebung schenken. Diese innere Weite öffnet den Blick nicht nur für den Nachbarn jenseits des Gartenzauns, sondern auch für den Flüchtling, der von weit her kommt. Wir können Wohnraum, Arbeit und sogar Heimat teilen. Ein großes Herz taugt als guter Gastgeber und Dolmetscher, der enge Grenzen überwindet."

Ich glaube, das schadet uns allen im Moment nicht. Das Herz für andere zu öffnen, tut uns auch selbst gut, es erleichtert uns und macht uns zufriedener. Wie geht es Euch damit? 

EN: From press release: 
"...if something comes from the heart, then it's usually all or nothing: sing wholeheartedly, love wholeheartedly, be wholeheartedly in the matter ... The heart is not suitable as an organ of pettiness, there lives the fullness and the width! And there is the mercy. Our heart be the open place of fellow human. If it does not harden and closes, it has plenty of room for others. So we can today include the heart, share, enjoy and forgive. (...) Just invite someone we do not know. And today with curiosity and without reservations encounter. Share what's there, and see that it is enough for all. That there is still room when someone's added.   This inner width opens the view not only of the neighbors across the garden fence, but also for the refugee who comes from far away. We can share housing, jobs and even home. A big heart is good as a good host and interpreter who overcomes narrow limits."

 I think it's exactly the right time for that. Open your heart for others. You will feel better and more comfortable with yourself. How do you feel about that?

Donnerstag, 27. August 2015

Das wird man wohl noch sagen dürfen #mundaufmachen

DE: Heute schreibe ich über etwas, das mich sowohl unfassbar beschäftigt als auch aufregt. 

Manche werden sagen, dass es mit Plus Size nichts zu tun hat, aber das Kernthema ist dasselbe nur in zigfach schlimmerem Ausmaß.

Ich rege mich richtig auf über die Hasstiraden, die in den sozialen Netzwerken gegen Flüchtlinge gerichtet werden. 

Flüchtlinge verbrennen, vergasen, ersäufen???

Das Video von Joko und Klaas habe ich mir mehrmals angesehen und zwar mit gemischten Gefühlen. 

Ich denke, Menschen auf eine Art und Weise zu beschimpfen, der sie vielleicht teilweise intellektuell nicht mal folgen können, ist nicht unbedingt der richtige Weg. 

ABER: ich stimme voll und ganz zu, dass man niemanden im Unklaren lassen sollte, wie man über die aktuelle Asyl- und Flüchtlingsthematik in Deutschland denkt. Man kann gar nicht oft genug sagen, wie man das sieht. 

Ihr seid nicht das Volk, Ihr macht nicht mutig den Mund auf, sondern versteckt Euch in sozialen Netzwerken, nicht besser als kleine gelangweilte Trolle in Foren. 

Ich will gar nicht bestreiten, dass es immer wieder zu unangenehmen Situationen kommen kann. 

ABER: da kommen Menschen, die in panischer Angst all ihr Hab und Gut und alles, was ihnen im Leben wichtig war, zurück gelassen haben, um in Sicherheit leben zu können. 
Und dann kommen die hier her und ihre Unterkunft brennt! Genau wie in ihrem Heimatland, vor dem sie geflohen sind. 

Was ist denn nur los? Ich schäme mich für mein Land. Ich schäme mich für die Berichterstattung, die es sicher im Ausland über Deutschland gibt. Ich schäme mich für Unbarmherzigkeit und Egoismus und Intoleranz. Ich schäme mich für Mitbürger, die aus Unsicherheit ihre Menschlichkeit verlieren und auch noch stolz darauf sind. 

Ich wohne in Rosenheim, das Ihr aus den Nachrichten als Einreisort der Flüchtlinge kennt. Ich kenne einen Flüchtling aus Nigeria sehr gut und weiß genau, wie hart sein Leben hier ist. Im Nachbarhaus ist eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Ich wohne also tatsächlich an einem Ort, an dem es wirklich viele Flüchtlinge gibt und ich kenne persönlich ein paar. Und ich habe noch nie Unhöflichkeiten erlebt. Ich sehe traumatisierte, verschreckte Menschen in einem fremden Land mit einer fremden Sprache, ohne Heimat, ohne Familie, ohne ein Zuhause. Ich sehe Menschen, die Hilfe brauchen.

Freitag, 3. Juli 2015

Dich zu hassen, ist am meisten anstrengend...

In letzter Zeit spukt mir immer wieder ein Satz durch den Kopf. 

Dich zu hassen, ist am meisten anstrengend...

Diesen Satz sagt Meredith Grey zu Derek Sheperd in der 2. Staffel von Grey's Anatomy. Und irgendwie lässt mich dieser Satz nicht mehr los. Man ist so schnell dabei zu sagen, dass man jemanden oder etwas hasst und in den seltensten Fällen meint man es wirklich so. Hass ist so ein strenges, intensives Gefühl, voller Abgründe und scharfer Kanten, voll Verbitterung und Sehnsucht.

Dich zu hassen, ist am meisten anstrengend...

Ich habe diesen Satz sehr lange zwar verstanden, aber nicht in all seiner tiefen Wahrheit und Verzweiflung wirklich begriffen. So ein Gefühl in seiner vollen dunklen Pracht hat man nicht für x-beliebige Dinge oder Personen, die einem auf die Nerven gehen. Wirklicher, purer Hasse zerfrisst einem die Seele und tut mehr weh als alles andere, was man je erlebt hat.

Hass ist kein Gefühl, das der Person weh tut, die wir hassen. Hass tut uns selbst am meisten weh. Hass ist ein Stacheldraht, der sich langsam und drückend durch unsere Seele windet. Hass ist wie ein winziges Stückchen Glas, das vom Flaschenhals abgerieben wurde und sich langsam durch die Luftröhre kämpft und dabei Schnitte und Wunden hinterlässt und uns jede Sekunde nur allzu bewusst ist. 
So ein Gefühl kann man nun einmal nicht für eine Belanglosigkeit oder flüchtige Bekannte empfinden. 

Noch nie habe ich eine so schreckliches Gefühl empfunden, das mich so zerfressen und so weh getan hat. Noch nie habe ich mir so gewünscht, ein Gefühl würde einfach aufhören, weggehen, mich alleine zurück und heilen lassen.




Vor Kurzem hat mir jemand gesagt, es habe sie erleichtert, einem anderen eine schlimme Verletzung zu vergeben. Ich habe das nicht sofort verstanden. Das hat natürlich damit zu tun, dass man immer davon ausgeht, dass es der andere vielleicht nicht verdient hat, dass ihm etwas vergeben wird. Inzwischen sehe ich das ganz anders. Vergebung ist etwas, das wir für uns selbst tun, damit die ganzen negativen Gefühle verschwinden, die wir durchmachen, wenn wir dieser Person begegnen oder ihr sogar aus dem Weg gehen.

Und Hass ist darunter das Anstrengendste. Es zermürbt und erschöpft zutiefst. 

Das hat ganz einfach damit zu tun, dass man in der Regel Menschen hasst, die man von ganzem Herzen und ganzer Seele geliebt hat und die einen zutiefst verletzt haben. Und man wünscht sich tatsächlich nichts sehnlicher als damit aufhören und diese Bitterkeit beiseite schieben zu können. Man wünscht sich unaufhörlich, sich davon befreien zu können.

Dich zu hassen, ist am meisten anstrengend...

Ich freue mich mehr als ich es je mit Worten ausdrücken könnte auf den Tag, an dem mir dieser Satz nicht mehr durch den Kopf geht. 



 

Freitag, 26. Juni 2015

Starke Frau

Hallo Ihr Lieben, 

wie ist es Euch in der Zwischenzeit ergangen? 

Ich habe mir eine kleine Blog-Pause gegönnt, die einfach nötig war und mir echt gut getan. Ich konnte einiges für mich regeln. Aber ich freue mich riesig, wieder zu posten. 

Heute möchte ich Euch eine relativ junge Website vorstellen. Sie wird komplett von Ehrenamtlichen betrieben und ist ein Projekt von verschiedensten Frauen mit den untschiedlichsten Stärken und Schwächen. 

Ihr findet dort alles mögliche, was Frauen so bewegt, und heute auch einen Artikel von mir :): Starke Frau

Es ist ein richtiges Magazin mit den verschiedensten Themen: 
Fashion, Beauty, Psyche, Gesundheit, Essen & Trinken, Literatur, Starke Menschen und Reisen.

Es lohnt sich auf jeden Fall, dort immer wieder vorbeizuschauen, denn es geht um Frauen wie Dich und mich. 

Und dann dürft Ihr Euch schon auf die nächste Runde der German Curves freuen, die am Sonntag startet. Wir haben wieder ein wunderbares Thema, auf das ich mich schon sehr freue.



Dienstag, 17. März 2015

e-trennung

Diesen Text habe ich im August 2012 verfasst. Er wurde auf e-wie-evangelisch veröffentlicht. Damals hatten mein Mann und ich uns getrennt. Heute ist er für mich wieder aktuell geworden und ich möchte Euch daran teilhaben lassen, weil ich finde, dass er optimistisch auf das Thema blickt und mir selbst heute hilft. 

Picture by http://www.gratisography.com/


Trennung. Allein das Wort schmerzt schon irgendwie. Es hat etwas Peinliches, Beschämendes, Enttäuschendes, Trauriges, Verzweifeltes, Einsames… eine reiche Facette von Dingen, nur selten im ersten Moment etwas Positives. 

Wie schwer fällt es, Bekannten, Freunden und Familie davon zu erzählen. Zu erzählen, dass aus dem „WIR“ ein „ich“ geworden ist. Plötzlich bin nur noch ich dieser Ansicht, wohne ich in dieser Wohnung, bin ich zu einer Feier eingeladen, auf der ich niemanden kenne. Ich, ich, ich. 

Einer Trennung geht meist eine lange Krise voraus, selten trennen sich die Partner plötzlich und für sie selbst unerwartet. Meist werfen eben keine großen Ereignisse ihre Schatten voraus. Die Trennung kommt gerne schleichend und von Unsicherheit begleitet. 

Umso mehr fällt es uns dann doch wie Schuppen von den Augen: es geht nicht mehr. Jetzt geht es wirklich nicht mehr. Krise ist kein Lebenszustand. Weniger schlimm ist nicht glücklich. Nicht ganz unzufrieden ist nicht dasselbe wie erfüllt und leidenschaftlich. 

Gott bringen wir selten damit in Beziehung. Wer sich vom Ehepartner trennt, mag daran denken, dass einmal eine kirchliche Trauung vollzogen wurde. Gott und die Kirchen wollen Trennungen nicht. Ist das so?

Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr bin ich überzeugt, dass auch Trennungen und Scheidungen vor Gott bestehen. Gott sieht die Menschen, nicht ihre Fehler. Er weiß, wann das Leid für beide zu groß wird und eine Trennung erlöst. 

Und so gibt es in der Evangelischen Kirche in Bayern bereits Gedanken zu Gottesdiensten für Scheidungen. Nicht nur die Ehe und das erhoffte Glück legen wir in Gottes Hände, auch die Trennung, das Scheitern, das erlebte Leid. 

Und überhaupt? Wer sagt, dass eine Trennung, eine Scheidung immer ein Versagen ist? Welche Stärke kann in diesem Entschluss liegen! Mut zu einer Beziehung und Mut zu einem humanen Ende dieser Beziehung. Nach vorne sehen und neu beginnen. 

Wie habe ich mich entwickelt in dieser Beziehung, durch den Leidensweg und die glücklichen Momente? Welche Menschen habe ich kennengerlernt, weil das passiert ist? Was ist Gutes für mich und andere geschehen? Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich diese Beziehung nicht eingegangen und später die Trennung erlebt hätte?


Dienstag, 3. März 2015

Wohl in meiner Haut // Interview mit Gisela Enders



Foto: Stefanie Schmitt
Sorry, this Post in only for my German readers.



Heute gibt es zum ersten Mal ein Interview auf meinem Blog und zwar mit Gisela Enders

Wer ist das eigentlich? Das erfahrt Ihr hier: 
Liebe Gisela, was muss man über Dich wissen, damit man sich ein Bild von Dir persönlich machen kann? 
Ich bin 47 Jahre alt, verheiratet und lebe in Berlin. Ich arbeite als Coach und Trainerin und freue mich über jede Entwicklung und Veränderung von den Menschen die ich begleite. Nebenbei schreibe ich Blogs und Bücher. Ich war in meinem Leben schon immer dick und habe – nach einer üblichen Diätphase von einem zarten Alter von 10 bis etwa 25  – entschieden, dass ich mich so annehmen will, wie ich bin. Das tue ich jetzt seit fast 25 Jahren und es geht mir sehr gut damit. 

Foto: Gisela Enders
Du engagierst Dich bei Dicke e.V.. Erzähl doch bitte ein bisschen von Deiner Arbeit dort.
Es gibt wenig Stimmen im deutschsprachigen Raum, die sich für die Akzeptanz von dicken Menschen einsetzen und die deutlich machen, dass kein Mensch ein Recht hat dicke Menschen zu diskriminieren, dies aber dennoch alltäglich passiert. Dicke e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, so eine Stimme zu sein. Leider ist der Verein recht klein, aber gerade über das Internet erreichen wir sehr viele Menschen mit unseren Informationen und bekommen gutes Feedback von Menschen, denen wir Mut machen können.

Foto: Gisela Enders
Du hast bereits Bücher geschrieben und veröffentlicht. Worum ging es dabei und wie kam es dazu?
Mein erstes Buch hieß „Dick das Leben leben“ und ist ein bisschen ein Vorgänger zum jetzigen Buch. Auch dort ging es um die eigene Akzeptanz, um viele Informationen zum Scheitern von Diäten, die damals um die Jahrtausendwende im deutschsprachigen Raum kaum verfügbar waren. Mittlerweile sind die Zahlen und Informationen nicht mehr aktuell, deshalb habe ich mich 2011 entschieden, dass Buch aus dem Markt zu nehmen.
„Schwierige Bilder“ ist 2009 erschienen und ist besonders für junge Frauen gedacht. In einem Mailwechsel tauscht sich eine Schülerin mit ihrer Tante aus, beide sind dick, die Tante macht Mut und ermöglicht ungeahnte Möglichkeiten.

Foto: Gisela Enders
Welche Reaktionen gab es auf die Bücher? Hat sich Dein Leben seitdem verändert?
Na ja, so als Bestsellerautorin lebt es sich einfach komfortabel (-: Scherz beiseite, die Reaktionen waren bei beiden Büchern sehr gut, gerade „Dick das Leben leben“ hat sehr vielen Frauen ganz neue Wege eröffnet und das entsprechende Feedback hat mich sehr glücklich gemacht. „Schwierige Bilder“ ist etwas spezieller und damit auch etwas schwerer in der Öffentlichkeit zu platzieren.
Mein Leben hat sich durch die Bücher nicht besonders verändert. Außer dieses unglaublich stolze Gefühl, das erste Buch in den Händen zu halten. Das ist jedes Mal toll!

Worum geht es denn in Deinem neuesten Buch und was möchtest Du damit erreichen?
Anlass war die Entscheidung, dass „Dick das Leben leben“ veraltet ist. Im ersten Teil des neuen Buchs geht es auch wieder um wissenschaftliche Erkenntnisse, warum Diäten mehrheitlich und auf lange Sicht nicht funktionieren und das Gewicht für die Lebenserwartung keinen Unterschied macht. Der zweite Teil ist von der Stossrichtung her neu, einfach weil ich 2001 noch nicht als Coach ausgebildet war und noch zu wenig wusste, wie wir unsere Gedanken produzieren und eben auch in unterschiedliche Richtungen lenken können. Ich weiß heute, wie wir mit unterschiedlichen Filmen im Kopf unterschiedliche Gefühle produzieren können. Und ich habe viele Techniken bei Menschen angewendet, die mit einem Gewichtsthema zu mir gekommen sind. Wir haben viele Vorstellungen, Glaubenssätze und Ängste auseinandergenommen und geschaut, was macht Sinn zu glauben und was kann man vielleicht auch ablegen. Sicherlich kann ein Buch nicht eine Coaching oder einen Workshop ersetzen, aber ich habe viele Dialoge wiedergegeben, die Anregungen geben, wie man den eigenen Körper, das Leben und das Thema Gesundheit eben auch betrachten kann. Und mit welchen praktischen Schritten ein gesundes Leben möglich ist. Dabei bin ich fest davon überzeugt, dass Gesundheit eine Einheit zwischen Körper und Geist darstellt. Wenn aber der Geist die ganze Zeit dem Körper sagt, dass er zu dick, hässlich und abscheulich ist – dann kann das in meinen Augen nicht gesund sein.
Foto: Gisela Enders

Du könntest Dein Buch auch günstig bei Books on Demand drucken lassen, ohne Crowdfunding (Spenden von Unterstützern). Welchen Vorteil hat der Selbstverlag für Dich?
Das Buch erscheint im Selbstverlag, wird aber für den Buchhandel über Books on Demand verlegt werden. Das ist für mich der beste Weg, um schnell in allen Buchhandlungen verfügbar zu sein, wenn jemand das Buch bestellen will. Es wird aber über die Crowdfunding Kampagne bereits zahlreiche Menschen geben, die das Buch als Dankeschön erhalten und es gibt danach immer Menschen, die das Buch direkt bei mir bestellen. Die ersten 500 Bücher will ich drucken lassen, ob bei BoD oder in einer Druckerei, wenn ich weiß, wieviele Bücher ich als Dankeschön verschicken darf. 

Wann wird das Buch erscheinen? 
Das hängt von der Crowd ab. Wenn ich bis zum 12.4. die 5.000,- € gesammelt hat, kann das Buch im Juni 2015 erscheinen. Es kann dann über die üblichen Wege wie Buchhandel oder übers Internet für 17,90 € gekauft werden.
Ursprünglich hatte ich gehofft, dass es zum Internationalen Anti Diät Tag im Mai fertig wird, aber dafür waren die Startprozesse bei Startnext langwieriger als ich dachte.
 
Was möchtest Du den Leserinnen von Charming Curves mit auf den Weg geben?
Geniesst das Leben, feiert Euern Körper und jede Rundung, die er hat. Vergesst darüber hinaus nicht, dass es wichtigeres im Leben gibt, als Kalorien, die Waage und Euer Gewicht. Und glaubt nicht alles, was ihr denkt. Und schon gar nicht, was andere sagen.


Liebe Gisela, vielen lieben Dank für das Interview und viel Erfolg für Dein Projekt "Wohl in meiner Haut"!

Montag, 2. Februar 2015

Women's Ideal Body Types Throughout History


DE: Dieses Video hat mir mein Mann zugemailt. Ich finde es wirklich spannend, welche Schönheitsideale über die Jahrhunderte angesagt waren. Mal Haut und Knochen, mal üppig und rund.

Frauen wollen sich schön fühlen. Aber kann man sich selbst nur schön finden, wenn man dem gängigen Schönheitsideal entspricht? Und wer legt das überhaupt fest?

Ich finde es immer wieder erschütternd, wenn ich Videos von Teenagern sehe, die zeigen, welche Übungen zu einer schönen "thigh gap" verhelfen. Welche Frau hat die schon und wozu soll die gut sein? Das liegt alles immer im Auge des Betrachters. Es gibt keinen rationalen Grund dafür.

Lange Haare, große Oberweite, kleiner Bauch, breite Hüften, schmale Beine, das muss doch alles immer zur jeweiligen Frau passen. Und vor allem ist für mich die Frage: Wo fängt es an, wo hört es auf?

Ist es okay, wenn ich mir die Lippen oder die Falten aufspritzen lasse oder ist das zuviel? Wo ist die Grenze? Wann stimmt endlich alles mit mir? Wann bin ich schön? Wann kann ich denn zufrieden sein?

Im Großen und Ganzen bin ich mit mir zufrieden. Ich persönlich wünsche mir schon manchmal, ich hätte die Disziplin, mehr Sport zu machen oder gesunder zu essen. Ich schaffe es aber nicht und darum bleibt mein Köper eben wie er ist und entspricht überhaupt nicht dem Schönheitsideal. Wenn ich mehr darunter leiden würde, hätte ich vielleicht auch die Motivation abzunehmen. 

Aber warum sollte ich warten, um mich selbst okay finden zu können. Warum sollte ich denken, noch so und soviel Kilos und dann bin ich okay? Das ist ja ein Leben auf Abruf und im Wartestand. Und das bedeutet, dass jeder Stillstand auf der Waage und jedes Zunehmen ein Versagen ist, weil es mich daran hindert, glücklich zu werden. Das ist unfassbar frustrierend und demütigend. Wie bitter ist das denn, sich ständig selbst als Versager wahrzunehmen?

Irgendwann im letzten Jahr habe ich das begriffen. Endlich. Und ich finde, ich bin okay. Ich entspreche nicht dem gängigen Schönheitsideal, aber trotzdem ist nicht alles an mir "schlecht", nicht alles "hässlich" oder "unförmig". Ich bin so. Das ist der Normalzustand meines Lebens. Wenn ich etwas ändere, abnehme oder Ähnliches ist das ein Plus, das zufriedener macht.

Nur, weil ich bin, wie ich bin, bin ich keine Versagerin. Ich bin gut so.



Mittwoch, 14. Januar 2015

Nachdenklichkeiten

Heute gibt es mal wieder einen Post, der etwas anderen Art. Einen eher Nachdenklichen. Und einen ganz ohne Foto. Einfach so, ohne großes Shooting und Make-up.  Ungeschminkt sozusagen :)

Seit Dezember bloggt Maria "Auf den Wunsch einer einzelnen Dame", vielleicht habt Ihr Lust, mal auf ihrem Blog vorbeizuschauen.

Ich kannte Maria schon vorher als hervorragende Kundin in meinem Tictail-Shop und war überrascht als ich ihr Blog entdeckt habe. Maria postet natürlich auch Fotos von Outfits. Aber sie postet auch gerne Alltagserlebnisse und was sie sonst so bewegt.

Das gibt mir ein bisschen zum Nachdenken, auch über mein eigenes Blog. Natürlich habe ich immer mal wieder Texte gepostet, z.B. "Big is beautiful?!" oder "Mein Blog, mein Herz, meine Gedanken - mein Traum", "Happy Birthday to me".

Aber ich hatte nie so recht das Gefühl, dass das wirklich dazu gehört. Sicher gibt es auf manchen Blogs Kollumnen oder Ähnliches, aber an und für sich sind die meisten Plus Size Blogs gefüllt mit Outfits und Beauty. Das finde ich großartig und wichtig und oft auch einfach interessant.

Bei Marias Blog (Danke Dir!) ist mir aber einfach aufgefallen, dass es total gut tut, auch mal einfach Alltagserlebnisse und Gedanken von anderen zu lesen. Einfach Posts, die persönlich sind und über grandiose Fotos und Outfits hinausgehen.

Ich finde das total wichtig, weil es ja gerade in der Plus Size Community nicht nur darum geht, eine hübsche Oberfläche zu zeigen. Wir wollen ja das Selbstwertgefühl, das Selbstbewusstsein, die Selbstachtung der anderen stärken.

Selbst- selbst- selbst.

Und darum habe ich mich entschieden, in Zukunft auch mehr über mein Selbst zu schreiben. Darüber, was mich bewegt und mir durch den Kopf geht, was mir schwer fällt und wo ich glücklich bin.

Und ich hoffe, dass Ihr dabei seid.




Mittwoch, 10. Dezember 2014

Mein Blog, meine Gedanken, mein Herz – mein Traum

Heute gibt es wieder etwas speziell für meine deutschen Leser. Ich bin ja Diakonin und arbeite bei der Evangelischen Kirche. Wir Diakoninnen haben nur für uns ein kleines Magazin mit einer Auflage von 350 Exemplaren, die DIVA. Es fließt viel Herzblut in dieses Heftchen, da es komplett ehrenamtlich, aber dennoch sehr professionell, gestaltet wird.

Die Redaktion überlegt sich für jede Ausgabe ein Thema, zu dem Beiträge eingereicht werden können. In der aktuellen DIVA dreht sich alles um Träume und dazu habe ich einen Artikel und mein Sichtweise auf das Leben als Dicke und Plus Size Blogs geschrieben. Ich wollte Euch teilhaben lassen und so findet Ihr den Text - leicht gekürzt - auch hier. 

Mein Blog, mein Gedanken, mein Herz – mein Traum
Das Thema „Träume“ hat mich sofort angesprochen. Für mich ist in letzter Zeit ein Traum in Erfüllung gegangen.
Ich war schon seit frühester Kindheit stark übergewichtig und da nimmt man einiges an ausgesprochenen und gedachten Sätzen im Laufe des Lebens mit:
Du bist fett.
Du bist hässlich.
Du bist faul.
Du hast keine Disziplin.
Du kannst Dich nicht zusammennehmen.
Du bist unattraktiv.
Dich darf jeder schwach von der Seite anreden, denn Du bist nichts wert.
                                           
Natürlich leidet nicht jede darunter, viele legen sich frühzeitig ein ordentliches Fell zu und verstecken das Ganze unter einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein. Aber doch blieb bei mir immer wieder der Gedanke: mit Dir stimmt etwas nicht, Du bist hässlich, warum machst Du nichts dagegen?

Natürlich will ich nicht behaupten, dass es gut wäre, übergewichtig zu sein. Ich freue mich für jede, die abnimmt. Sicher ist es gesünder schlank zu sein, wobei ja nicht alle Übergewichtigen den ganzen Tag nur Chips und Schokolade essen und auf der Couch liegen. 

Ich habe es ein paar Mal geschafft, deutlich abzunehmen und doch wurde ich im Lauf der Jahre mal schneller, mal langsamer wieder runder und runder. Und als ich wieder zugenommen hatte, habe ich doch sehr wehmütig an die Zeit gedacht als ich ganz normale Kleidung tragen konnte, die mir gefällt. 
Als Dicke ist das ja nicht möglich, denn die Auswahl ist sehr beschränkt. Und vor allem wird sie von Blockaden im Kopf noch mehr eingeschränkt:
Streifen machen Dich dick, die kannst Du nicht anziehen.
Kleider kannst Du nicht tragen.  
Kurze Röcke oder ärmellos geht ganz sicher nicht bei Dir.
Am Besten trägst Du schwarz, das macht Dich schlank.

Warum? Du bist fett! Du musst Deine Figur verstecken! Und zwar großzügig! So kannst Du Dich nicht sehen lassen! 

So – und was hat das jetzt mit Träumen und Blog und überhaupt zu tun? 

Ich habe vor etwa einem Jahr im Internet ein bisschen rumgesucht und bin auf unterschiedliche Blogs gestoßen. Das Thema: Plussize. Es ging also um Kleidung in großen Größen, auf Englisch Plussize. Und da hat sich echt eine ganz neue Welt für mich aufgetan. 

Frauen, die viel dicker als ich waren, aber Kleider trugen. Und – oh Überraschung – sie sahen wunderschön darin aus! Frauen mit kurzen Röcken, ärmellosen Tops, bunten Farben und Querstreifen und unter allen Posts supernette Kommentare, wie schön sie darin aussähen und wie hübsch sie wären. 

In der Plussize Community tauschen sich die Frauen auch über viele Dinge aus, die zum Leben als übergewichtige Frau gehören: Was mache ich, damit sich meine Beine nicht wund laufen, wenn ich im Sommer unter dem Rock keine Strumpfhose trage? Woher bekommt man ordentliche BHs, die gut sitzen? Welchen Sport kann ich mit meinem Gewicht gut machen? Wo bestellt man modische und bezahlbare Kleidung? Oder gibt es Läden, die das anbieten?



Ich habe einige Monate viele Blogs verfolgt und gemerkt: Das kann ich doch auch! Und irgendwann hat dann auch mein Mann etwas gesagt, das mir sehr geholfen hat: Weite Kleidung macht Dich nicht schlanker! Und damit hatte er einfach recht. Selbst die schlankste Frau sieht in deinem Kartoffelsack dick aus, weil man die Figur gar nicht mehr erkennen kann und damit kann man auch die schönen Stellen am Körper nicht sehen. 

Zum ersten Mal in meinem Leben gab es überhaupt die Möglichkeit, nicht nur das zu kaufen, was passt und bezahlbar ist, sondern auch etwas, das mir gefällt. 

Es wurde möglich, einen eigenen Stil zu entwickeln und meine Persönlichkeit auszudrücken. Natürlich findet man auch so etwas bei verschiedenen Läden, aber ich bin auch noch klein. Ich sah oft in meiner Kleidung aus wie ein Kind, weil sie weit und lang war und ich nicht jede Bluse zur Schneiderin bringen wollte. 

Wer nicht so recht glaubt, dass es vorteilhafter ist, enger zu tragen: Bitte zieh eine weite Hose an, mach ein Foto und zieh dann eine Skinny Jeans an. Es mag ungewohnt sein, aber so lange die Hose die richtige Größe hat, sieht es einfach besser aus. 

Mit der Zeit habe ich verstanden, dass es auch um eine politische Sache geht. Das hört sich jetzt zuerst seltsam an, aber so ist es. Die Produzenten verkaufen hauptsächlich weite Kleidung und wenn nicht, so zumindest die Einzelhändler. Sie begründen das damit, dass die Frauen nur diese Kleidung kaufen. Aber wo ist da das Ei und wo die Henne? Wie kann ich andere Kleidung kaufen, wenn es sie nicht im Laden gibt? Wie komme ich überhaupt auf die Idee körperbetonte Kleidung zu kaufen, wenn ich gar nicht weiß, wo? Die Kundinnen sind gar nicht über ihre Möglichkeiten informiert. 

Bei uns in Deutschland ist das eine etwas müde, träge Bewegung, aber die Hersteller verstehen so langsam, dass  (vor allem junge) Frauen  modische Kleidung möchten. Und dazu tragen hauptsächlich die Plussize Blogs bei, die in engem Kontakt mit den Firmen stehen.  


Auch mein Mann war davon begeistert und hat mich mehr oder weniger dazu überredet, selbst so ein Blog zu führen. Eine ganze Zeit lange habe ich mit mir gerungen. Diakonin sein und dann ein Blog mit lauter Bildern von mir? Ist das nicht doch zu oberflächlich? Aber genau das ist es eben nicht. Es geht dabei auch nicht um die Verherrlichung von Übergewicht, sondern darum, dass man okay ist, wie man ist. Und das ist doch eine zutiefst christliche Einstellung, die man weitergeben sollte. Und auch wer abnehmen möchte, muss ja in der Zwischenzeit etwas anziehen, indem er/sie sich gut fühlt.

Wir haben ein gemeinsames Hobby daraus gemacht. Ich überlege mir Outfits und Themen und mein Mann fotografiert mich. Wenn ich mich auf diesen Fotos sehe, verstehe ich, dass es wichtig ist, mich schön zu kleiden und nicht nur immer in Jeans und langen, wabbeligen Pullis. Ich sehe komplett anders aus. 

Es ist auch für meine Arbeit wichtig. 

Wer sich schön fühlt, wirkt ganz anders auf andere. Und mir ist es wichtig, dass auch andere Frauen sehen können: es muss nicht bei schönen Schuhen aufhören. Jede hat es verdient sich schön zu fühlen.

Mit meinem Blog habe ich mir den Traum erfüllt, ganz einfach eine Frau zu sein, die normale Kleidung tragen kann. Wie alle anderen auch. Da geht es nicht um High Fashion, sondern um das echte Leben. 







Dienstag, 11. November 2014

HIN UND WEG

Dieser Post ist für mich ganz besonders. Ich hatte nie vor, auf meinem Blog über einen Film oder etwas in der Art zu berichten. Aber dieser Film hat mich sehr bewegt und darum möchte ich meine Meinung dazu mit Euch teilen.




Ich hatte von "Hin und weg" schon in einer Radio-Kritik gehört. Dem Film wurde vorgeworfen, er beschönige eine Spaßgesellschaft, in der es legitim sei, sich zu töten, wenn man nicht mehr an dem ganzen Spaß teilhaben könne.
Das hat den Film für mich nur interessanter gemacht und war ich am Sonntag mit meinem Mann im Kino.

Kurze Vorabinfo aus Wikipedia:
Hin und weg ist ein deutsches Roadmovie und ein Ensemblefilm von Christian Zübert aus dem Jahr 2014 mit Florian David FitzJulia KoschitzJürgen Vogel und Miriam Stein in den Hauptrollen. Der Film wurde von Benjamin Herrmann und dem Oscar-prämierten Regisseur Florian Gallenberger produziert, der hier erstmals als Produzent in Erscheinung tritt.

Handlung in Kurzform:
Die Film erzählt die Geschichte einer Gruppe von Freunden aus Frankfurt am Main, die sich jedes Jahr treffen, um gemeinsam einen Fahrradurlaub zu machen. Dieses Mal soll es nach Belgien gehen. Hauptfigur ist Hannes, der an ALS erkrankt ist. Daneben stehen seine Frau Kiki, sein Bruder Finn, das befreundete Ehepaar Dominik und Mareike, sowie der Aufreißer Michael im Mittelpunkt.

Meine Meinung: 
Hannes plant diesen Urlaub nach Belgien, weil er bereits seit zwei Jahren mit der Krankheit lebt und sich seit sechs Monaten die ersten starken Symptome zeigen. Sehr einprägsam ein Satz von Kiki: Seit er von der Diagnose erfahren hat, fährt er jeden Tag 20 km auf dem Heimrad. Seit sechs Monaten schafft er es nicht mehr. Jeden Tag ein paar hundert Meter weniger. Er hat den Tod seines Vaters an ALS miterlebt und beschließt, in Belgien assistierten Suizid zu begehen. Die Freunde wissen aber zu Beginn noch nichts davon. 

Zunächst bleibt es ein wenig Hollywoodlike: Die Freunde erfahren von Hannes Krankheit als sie bei Hannes anderem Bruder übernachten und auf seine Mutter treffen. Beim gemeinsames Abendessen kommt es wie es muss und die Wahrheit kommt ans Licht. Und natürlich brechen sie trotzdem mit ihm auf, um ihn auf diesem letzten Weg zu begleiten. 

Am ersten Abend bekommt jeder eine kleine Aufgabe, die er während der Zeit erledigen muss, was aber im Verlauf des Filmes für jeden eine besondere Tiefe annimmt und nicht bei der Alberei bleibt. So bekommt Dominik, dessen Ehe etwas aus den Fugen geraten ist, die Aufgabe, einen Gang Bang zu haben, während der Single Michael einmal eine Frau sein soll. Was zuerst lustig scheint, wird aber doch sehr ernst als Dominik in den Swingerclub geht und seine Frau ihm folgt und beide Sex mit anderen haben. Oder als Michael sich als Dragqueen verkleidet und eine Frau kennenlernt, die er selbst dann nicht mehr gehen lassen möchte und damit selbst zum Klischee der Frauen wird, die er selbst hat sitzen lassen. 


Der wichtigste Handlungsstrang aber ist die immer wiederkehrende Frage: muss Hannes' Tod wirklich sein? Und auch hier bleibt der Film nicht an der Oberfläche. Hannes sagt: Wann ist denn der richtige Zeitpunkt zu sterben? Wenn ich kein Glas mehr halten kann? Wenn ich im Rohlstuhl sitze? Wenn ich an ein Atemgerät angeschlossen werden muss?

Der Film erzählt fast zärtlich, ganz ohne Drama, von der Krankheit. So kann Hannes etwa in einer Szene nicht mehr atmen, während er mit Kiki im Zelt liegt. Kiki bekommt davon nichts mit und schläft weiter. In der nächsten Szene ist es dann einfach morgen. Das hat mich sehr berührt, weil es sehr nah an der Realität ist, weil es geschrieben ist, wie es im Leben ist.

Natürlich hat der Film auch viele Stellen, die komisch sind. Ich finde aber, dass er über den Klischees bleibt, die man in solchen Filmen mit "Galgenhumor" oft hat. Der Film macht sich nicht lustig über das Thema. Typische Mainstream Ansätze bleiben erspart, denn Hannes stirbt wirklich. Auch wenn es immer wieder Gelegenheiten, ja fast Winke des Schicksals, gibt, alles neu zu überdenken. Beispielsweise hat sein Arzt einen Unfall und kann ihm das Medikament nicht verabreichen. Aber trotzdem bleibt Hannes stets bei seiner Entscheidung. 

Die Figuren bleiben leider trotz allem etwas flach und platt, wir erfahren wenig darüber, was sie wirklich denken und fühlen. Es bleibt etwas vage. Aber auch das finde ich gar nicht so verkehrt. Im Mittelpunkt steht einfach immer wieder: Wie gehe ich mit einer tödlichen Krankheit um? Wie gehe ich überhaupt mit dem Tod? Was wenn ein geliebter Mensch stirbt? Muss dieser Freitod wirklich sein? Ginge es nicht doch noch etwas länger?

Ich persönlich finde, das allein reicht für den Film. Tatsächlich finde ich, dass es diesen Film wirklich einfach dringend braucht. Wir entfernen uns immer weiter vom Tod. Er hat keinen Platz in unserer Gesellschaft. Wir sehen in Fleisch keine toten Tiere, haben nur noch wenig Kontakt zu Alten und Kranken. 

Und das ist es auch, was mir daran gefällt, dass es nicht um das große Drama geht, sondern um den Alltag, um stille Tränen und Angst. Natürlich ist es unendlich traurig und schrecklich, wenn jemand erfährt, dass er selbst oder Angehörige, Freunde eine tödliche Krankheit haben, das steht außer Frage. Fakt ist aber auch, dass es zu unserem Alltag gehört. Es gibt einfach Krankheiten, es gibt den Tod. Das macht beides nicht schön, aber es gehört zum Leben einfach dazu. Schwierig sind die Fragen: Wie gehe ich damit um? Wie kann ich damit leben? Kann ich darüber sprechen? Wo finde ich Trost?

Wie geht es Euch damit?